Ein Jahr rauchfrei

Am 7. September morgens habe ich die letzte Zigarette geraucht. Es war mehr ein paffen und flach dran ziehen denn rauchen. 

Bereits einen Tag vorher konnte ich nicht mehr rauchen, eine schwere Lungenentzündung hat mich erwischt. Eine Erfahrung die ich nicht noch einmal machen will. 

Der Tag der Entscheidung

Am 6ten September 2017 am Abend bekam ich eine schwere Lungenentzündung. Ich bekam kaum noch Luft. Zwei Stufen konnte ich gehen und musste dann pausieren. Jeder Schritt, jede Bewegung brachte mich an den Rand der Erstickung. Das war so krass dass ich mein Testament schrieb da ich keine Ahnung hatte wie das ausgeht. 

Als starker Raucher bekam ich sowieso immer schlecht Luft. Alle angeeigneten Tricks der Atemtechnik brachten mich nicht weiter.

Dabei dampfe ich schon lange und hätte genug Möglichkeiten gehabt die Zigarette aufzugeben. 

Dampferkarriere seit 2012

Seit Juli 2012 dampfe ich. Ich fing damals mit einer Ego an und hoffte es kommt eine Art Automatismus der mich geschmeidig von der Zigarette wegführt. 

Über  5 Jahre dampfte ich neben dem rauchen. Mit jedem Kauf eines Gerätes dachte ich dass ich jetzt aufhöre. Das muss ja klappen. Und es kamen viele Geräte ins Haus, vom Selbstwickler bis hin zum Fertigcoiler. 

Nein, so ganz so einfach ist das nicht, da legt sich kein Schalter um der einen die Zigarette von einem Moment auf den anderen vergessen lässt – zumindest nicht bei mir (wie auch bei vielen anderen auch).

Als Dualuser bin ich immer wieder mal mit dem Zigarettenkonsum runter um dann später wieder auf dem alten Level zu landen.

Mindestens zwei Punkte gibt es aus heutiger Sicht die mich von der Zigarette nicht wegkommen ließen.

  • Irgendwie war der letzte Wille nicht da, die Sucht zu groß
  • Die Geräte, so weiß ich heute, kamen mir nicht sonderlich entgegen. Es fehlte mir das Zigarettenfeeling. 

So dampfte und rauchte ich, stets in der Hoffnung es wird schon werden. 

Das Zigarettenfeeling

Zigarettenfeeling mit der My von Erl und der PEAS

Ich war nicht unbedingt der Genussraucher. Ich qualmte viele Zigaretten derer ich mich gar nicht richtig bewusst war. Wenn ich angespannt war qualmte ich viel.

Wollte ich was erledigen so sagte ich mir „Noch eine Zigarette, dann gehts los“. So gingen jede Menge Zigaretten am Tag durch die Lunge. 

Eigentlich wollte ich ja nur dampfen, aber gerade in angespannten Situationen gab mir keine Akkubox und kein Verdampfer den Genuss, die Befriedigung. Es fehlte mir was zwischen den Fingern, es fehlte mir die Einfachheit, es fehlte mir die Zigarette die ich zwischen den Lippen halten konnte.

Alles Dinge die ein hektischer Zigarettenraucher sucht, schätzt, liebt und letztendlich verflucht. 

Zum Glück hatte ich an diesem 7. September bereits die My von Erl und die PEAS war auch im Zulauf. Diese beiden E-Zigaretten die einer Zigarette in der Haptik nahe kommen sollten ein weiterer Versuch sein von der Zigarette loszukommen.

Für mich stellte sich diese Fügung als Glück heraus dass ich genau zu dieser Zeit, an diesem Tag diese E-Zigaretten hatte. Diese kamen mir, einem hektischer Zigarettenraucher, sehr entgegen.

Der Umstieg

Ein Besuch beim Arzt bestätigte mir die schwere Lungenentzündung. Im Grunde sollte ich direkt ins Krankenhaus. Da ich das nicht wollte wurde es mit Antibiotika versucht. Das hat sehr gut angeschlagen haben und mich innerhalb eines Tages aus der akuten Gefahr brachten.

Liquid

Diese Zeit nutzte ich um mir ein stark mentholhaltiges Liquid mit etwas Tabakaroma anzumischen. Menthol verstärkt den Flash. Fruchtiges und dergleichen, was ich viel zuhause habe, wäre das Falsche gewesen.

Ich musste mich auch im Liquid ganz nahe an der Zigarette bewegen.

Dass ich es mit dem Menthol am Anfang zu gut gemeint habe merkte ich bald. 10% habe ich beigemischt was mir bald blutigen Geschmack einbrachte. 1% bis maximal 2% nehme ich heute. 

Ich habe 18er Liquid gemischt und dampfe jetzt so bei 12 bis 14 mg/ml. Es kommt darauf wann was gerade so zum mischen zur Hand ist. 

Über eine Reduzierung des Nikotins mache ich mir weiter keine Gedanken (siehe auch die Videoreihe des Toxikologen Prof. Dr. Bernhard Mayer. 

Das Equipment

Wie oben schon erwähnt war mir das Gefühl, die Haptik sehr wichtig. Die E-Zigarette sollte keine sperrige Akkubox sein sondern einer Zigarette nahe kommen. Notfalls sollte sich auch im Mund gesteckt werden können und ich daran ziehen können. 

Das geht eben mit der My von Erl gut und mit der PEAS funktioniert das bestens. Ab zwischen die Zähne, dampfen und mit zwei Händen arbeiten. So wie ich es auch von der Zigarette her kannte.

Mentale Einstellung

Eine E-Zigarette die dem Gefühl einer Zigarette nahe kommt, ein Liquid das auf das fundamentale reduziert ist – das ist nicht alles. Ein süchtiger Raucher findet im Kopf immer Wege und Ausreden um wieder zur Zigarette zu greifen.

Ich sagte zu mir dass ich mir gar nichts nehmen will. Ich sagte mir dass ich weiterhin einer Sucht frönen darf. Ich tausche nur die Sucht aus. So überredete ich mich, versuchte mir den Zigarettenersatz schmackhaft zu machen. 

So war der erste Tag geschafft. Nun wollte ich 3 Tage schaffen, danach eine Woche. Der erste Monat sollte ein kleines Wunder für mich sein. So hangelte ich mich durch. 

Ich sorgte stets dafür dass immer eine geladene E-Zigarette und genügend Liquid bereit steht. Stets stellte ich sicher dass ich hemmungslos dampfen kann.

Innerhalb der ersten drei Tage sagte ich mir noch dass ich alles darf außer Zigarette. So bin ich in den Supermarkt und deckte mich mit lauter Leckereien ein, alles mögliche um immer was zu knabbern zu haben. So dass ich mich ständig ablenken konnte. 

So überredete ich mich selbst, anfänglich ständig. Das war wie umprogrammieren. 

Ein Jahr ohne Zigarette

Nun ist es ein Jahr her als ich das rauchen mit Hilfe der E-Zigarette aufhörte. Ich brauche keine Zigarette mehr, aber meine E-Zigarette. Wenn ich Rauchern begegne oder das rieche habe ich Ekel. 

In diesem Jahr habe ich sogar mehrfach eine 8-Stunden Autofahrt hinter mir. Früher ein Garant für eine Schachtel Zigaretten. 

Ich bin regelmäßig beim Lungenarzt. Es gibt eine Verbesserung der Lungenfunktion die sich weiterhin fortsetzen wird. 

Altlasten

Nach den ersten Wochen und Monaten stellte ich fest wie intensiv sich der Zigarettengestank überall eingenistet hat. In all meinen Büchern, in den Klamotten, auf den Tapeten. 

Noch sind nicht alle Spuren beseitigt, vor allem wäre ein Tapetenwechsel notwendig, aber dieser intensive Zigarettenduft aus allen Ecken hat nachgelassen, bzw. nehme ich ihn nicht mehr so wahr. Bei großer Wärme ist er noch gut auszumachen. 

Anfänglich wollte ich mir noch eine Komplettreinigung fürs Auto gönnen. Doch die Hunde die mitfahren haben diesen Geruch übertüncht. 

Kollateralschaden

Kollateralschäden durch das aufhören gibt es zwei.

Der Kaufmann im Dorf sieht mich etwas weniger oft.

Des weiteren habe ich zugenommen und gehöre zu der Gruppe der Umsteiger die zunächst mit dem Gewicht nach oben gehen. Die Gründe sind hauptsächlich im veränderten Stoffwechsel zu suchen wie auch in meiner anfänglichen Knabberorgie. 

So langsam verschwindet wieder ein Kilo nach dem anderen. Vor allem weil man sich ja mehr bewegen kann als mit Atemnot. 

Positive Veränderungen

Es hat sich sehr viel zum Positiven verändert. 

  • Ich kann wieder beim angeln längere Strecken zurück legen
  • Ich kann mit dem Fahrrad Touren machen von denen ich jahrelang geglaubt habe dass ich diese nicht machen kann
  • Alle Arbeiten fallen mir wesentlich leichter
  • Ich habe einen ganz anderen Geschmack entwickelt und kann viel feinere Nuancen für mich entdecken
  • Ich kann in Ruhe einschlafen, früher habe ich „gepfiffen“ (Bronchien)

Alles in allem ist die Lebensqualität enorm gestiegen. Man ist nicht mehr derjenige der ständig nach einer Zigarette kramt und ungesund aussieht. 

Mein Resümee

Das rauchen aufhören ist das beste was man sich gönnen kann. Es ist ein großes Geschenk an sich selbst. 

Ich habe es mit dem richtigen Equipment geschafft. Noch heute nutze ich dieses in ähnlicher Ausführung, greife aber langsam auch wieder zu den Boxen und schaue links und rechts was es so auf dem Markt gibt. 

Nicht weil ich unzufrieden bin, im Gegenteil. Es ist die Neugierde. 

Ein paar Tipps aus meiner Erfahrung

  • Habt ihr Probleme beim Umstieg so überlegt ob euer Equipment euren Gewohnheiten entgegen kommt.
  • Ohne etwas Kopfarbeit geht es nicht, vor allem nicht wenn man langjähriger Raucher war / ist. Sagt euch dass ich weiterhin einer Sucht nachkommen dürft, eben nur einer anderen. 
  • Kämpft um jeden Tag. Ist die erste Woche geschafft wird es leichter. 
  • Geht am Anfang den Versuchungen aus dem Weg. Später werden diese euch nichts ausmachen. 
  • Denkt nicht „Ach, eine geht schon mal“. So lange ihr nicht stabil seid, solange besteht Rückfallgefahr. 
  • Versucht nicht das Nikotin runter zu schrauben. Nikotin ist nicht das was es gilt zu reduzieren (siehe auch Videoreihe von Bernhard Mayer, Link weiter oben)
  • Denkt an die Lebensqualität die euch erwartet. 
  • Sorgt dafür dass ihr ständig eine einsatzbereite E-Zigarette habt.
  • Wollt ihr euren Kindern am Sterbebett sagen „Tut mir leid dass ich jetzt schon gehe aber die Zigaretten waren stärker.“ 

Ich bedaure dass ich so spät umgestiegen bin. Es ist mir so viel entgangen. 

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